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Schmuckbild Regionale Open Governmnet Labore

Hintergrundbericht: Open Government Labore

Marburg-Biedenkopf

Marburg-Biedenkopf ist einer von 21 hessischen Landkreisen und besteht aus 22 Städten und Gemeinden. Landschaftlich, kulturhistorisch und volkskundlich vielfältig, entwickelte sich der Landkreis als starker Wissens-, Industrie- und Dienstleistungsstandort, u. a. im Bereich der Gesundheitswirtschaft, aber auch als Heimat vieler teils hochspezialisierter Zulieferfirmen der Flugzeug- und Fahrzeugbranche. Die Kreisverwaltung Marburg-Biedenkopf praktiziert bereits seit einigen Jahren, insbesondere aber seit dem Amtsantritt von Landrätin Kirsten Fründt, einen möglichst offenen Umgang zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung. Die Erarbeitung des Beteiligungskonzeptes ab 2014, an dem bereits zahlreiche Vertreter und Vertreterinnen aus der Politik und Zivilgesellschaft mitwirkten, schuf ein neues Bewusstsein.

Die Einrichtung eines Fachdienstes „Bürgerbeteiligung und Ehrenamtsförderung“ in der Stabsstelle Dezernatsbüro der Landrätin und Bereitstellung entsprechender Ressourcen hat bereits wesentlich zur Sensibilisierung für die Thematik beigetragen. Zugleich wurden über die Beteiligungsplattform www.mein-marburg-biedenkopf.de verschiedene Beteiligungsprojekte realisiert. So kann sichergestellt werden, dass die Erfahrungen der verschiedenen Beteiligungsprozesse gebündelt werden, zu einem kontinuierlichen Wissensaufbau führen und die Beteiligungsverfahren eine stetige Verbesserung erfahren. Die kontinuierliche Berichterstattung u. a. mittels Beteiligungskataster, Beteiligungsbericht und regelmäßigen Infobriefen hat ebenfalls dazu beigetragen, dass zum Zeitpunkt der Anerkennung als Open Government Labor (OGL) im Bundesprogramm Region gestalten bereits fundierte Erfahrungen im Bereich der Bürgerbeteiligung und damit der Offenheit gegenüber Ansprüchen und Fähigkeiten der Zivilgesellschaft vorhanden waren.

Das OGL Marburg-Biedenkopf wurde von der Kreisverwaltung Marburg-Biedenkopf initiiert.
Kooperationspartner sind

  • der Landkreis Marburg-Biedenkopf,
  • die Gemeinde Bad Endbach,
  • die Gemeinde Breidenbach,
  • der St. Elisabeth-Verein Marburg e. V. und
  • die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt)

Das OGL befindet sich noch in der Konzeptphase zur Ausgestaltung seiner Workshop-Angebote. Inhaltlich ist es jedoch bereits gelungen, den sehr breiten Ansatz aus der Bewerbungsphase für das Program Region gestalten zu konkretisieren und mit dem Thema „Kommunikationswege“ in den Kommunen einen Fokus zu setzen. Ein Ansatz, der nah an der Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger orientiert ist und damit eine rege Beteiligung an den Angeboten verspricht.

Die Laborarbeit wird diese Herausforderung aus künstlerisch-kreativer, partizipations- und demokratieorientierter, bildungsorientierter, digitaler und ehrenamtlich orientierter Perspektive aufgreifen. Im OGL wird das Format der Vernetzungstreffen eingesetzt und weiterentwickelt. Beispielhaft hierfür ist das Vernetzungstreffen „Nachhaltigkeit“, das am 6. November 2019 in Fronhausen stattfand. Rund 50 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit zum Gespräch über nachhaltige Initiativen und Unternehmen.

Chancen für Neues

„Nachhaltigkeit ist ein Thema, das viele Menschen in der Region bewegt. Wir möchten Ihnen allen mit der Veranstaltung heute die Möglichkeit geben, sich kennen zu lernen, sich auszutauschen und so vielleicht Neues ins Leben zu rufen“, begrüßte Peter Eidam, erster Vorsitzender der Region Marburger Land und Bürgermeister der Gemeinde Weimar, die Teilnehmenden. Durch den Abend führte anschließend das „Kollektiv von morgen“, eine Gruppe von Akteuren und Akteurinnen, die bereits einige Jahre im Bereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aktiv sind.

Die Karte von Morgen

Kern der Veranstaltung war die „Karte von Morgen“ und deren Bewertungsfunktion. Mit dieser kann letztlich jeder unter Eingabe von Quellen eintragen, wie nachhaltig Initiativen und Unternehmen in den unterschiedlichen Bereichen wahrgenommen werden und welche Faktoren die Nutzenden als besonders zukunftsorientiert einschätzen. „...anhand einer Skala, die von „von gestern“ über „von heute“ bis hin zu „visionär“ reicht“, erläutert Ann-Marie Weber das Bewertungssystem und betonte: „Viel wichtiger als die Bewertung an sich ist aber die Möglichkeit, so Feedback und Denkanstöße geben zu können“.

Rede und Antwort

Im zweiten Teil der Veranstaltung standen verschiedene Initiativen freiwillig Rede und Antwort. Diskutiert wurden unterschiedliche Aspekte der Nachhaltigkeit und deren Umsetzung in den Projekten. Anschließend wurden die neuen Bewertungen auf der „Karte von Morgen“ eingetragen. Regionalmanagerin Marburger Land Alexandra Klusmann zum Abend: „Sowohl die konstruktive Stimmung als auch die Erkenntnisse des Abends zeigen uns, wie wertvoll es ist, Angebote wie dieses zu schaffen und aktiv in die Region zu gehen.“

Hintergrund

Die „Karte von Morgen“ ist eine interaktive Landkarte, die Orte in der Umgebung anzeigt, an denen sich Menschen für eine gerechte und umweltfreundliche Welt einsetzen. Bereits im Mai war die Karte auf einer offenen Vernetzungsveranstaltung im Kreishaus präsentiert worden. Mit der Karte als „Werkzeug“ sollen Wege in ein nachhaltigeres Leben und in eine nachhaltige Region aufgezeigt werden. Das Vernetzungstreffen ist damit auch die Fortsetzung der Aktivitäten des Kreises rund um das 2018 verabschiedete Nachhaltigkeitskonzept des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Das Konzept soll die nachhaltige Entwicklung der Verwaltung und Region fördern und unterstützen.

Mehr zur Karte von Morgen und über die Vernetzungsveranstaltung gibt es auf der Beteiligungsplattform www.mein-marburg-biedenkopf.de.

Einblick in ein Open Government Labor Mut zur Beteiligung: Durch Open Government die Bürgerinnen und Bürger den Landkreis mitgestalten lassen
Gemeinsam und kreativ für den Landkreis - marburg-Biedenkopf zusammen denken l Workshopeindruck aus dem Jahr 2019 Quelle: Projekt

Für die Implementierung eines systematischen und umfassenden Öffnungsprozesses ist es nach den bisherigen Erfahrungen - aus den Modellprojekten sowie bestehenden Projekten der Kreisverwaltung - unabdingbar, Open Government auf die konkrete Erfahrungs- und Arbeitswelt der betroffenen Personengruppen zu beziehen und diese bereits vor dem Start frühzeitig einzubeziehen.

Die Vision von Open Government ist es, eine neue Qualität der Beteiligungsprozesse zu erreichen, die zu einer dauerhaften Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft führt. Dabei fördert der Laborcharakter die Bereitschaft, unkonventionelle oder unsicher erscheinende Methoden und Wege auszuprobieren und sich auf Anregungen und Wünsche der Partner und Partnerinnen einzulassen. Mit dem so geschaffenen, vom alltäglichen Handeln abgegrenzten und mit fachlicher Expertise begleiteten Experimentier-Räumen fällt es den Akteuren leichter, Fehler und offene Fragen zuzulassen und diese als Positivfaktoren von Projektarbeit zu verstehen und nutzen zu lernen.

Ausblick

Bedauerlicherweise hat die Corona-Pandemie nicht nur zu Verzögerungen in der konzeptionellen Anlaufphase geführt, sondern stellt die Laborarbeit durch die Unberechenbarkeit vor große Herausforderungen. Eine Erfahrung aus den ersten Workshops ist, dass Open Government als Gesamtkonzept für Akteure und Zielgruppen, die sich neu mit der Thematik beschäftigen, sehr komplex erscheint. Die Ursprungsidee physischer Begegnungsräume in leerstehenden Gebäudeteilen in den Ortskernen musste leider verworfen werden. Stattdessen werden die Beteiligungsangebote zu mobilen Formaten weiterentwickelt. Daher werden mobile Veranstaltungsboxen mit dem jeweils nötigen Equipment erstellt, die dann in den Laborphasen in beiden Kommunen – Bad Endbach und Breitenbach – zum Einsatz kommen werden. Dieses Vorgehen bietet auch Vorteile, denn so können die Angebote nicht nur in den Kernorten, sondern im Sinne aufsuchender Beteiligung ortsungebunden eingesetzt werden. Sie bleiben darüber hinaus auch über das Projekt hinaus bestehen und können dadurch nachhaltig weitergenutzt werden.

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